Ein Flugzeug, das Wasser hinterlässt
Marketing für das Wasserstoffflugzeug-Projekt der Fakultät Maschinenbau: Social-Media-Design samt Elementen und Vorlagen, die Sponsorenpräsentation, ein interner Film und Fotografie im Labor. Gestaltung und Aufbau von mir.
Das Projekt baut den Taifun 17 H₂ — ein zweisitziges Ultraleichtflugzeug, dessen Verbrennungsmotor durch eine Brennstoffzelle mit gasförmigem Wasserstoff ersetzt wird. Aus dem Auspuff kommt Wasser. Das ist ein Thema, das sich selbst erklärt, sobald man es einmal ausspricht — und genau das war die Aufgabe.
Schrift im Original: Serifenlose der Hochschule, Ziffern tabellarisch.
Diese Arbeiten sind im Rahmen meiner Tätigkeit im Marketing an der Fakultät Maschinenbau der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Die Rechte an Projekt, Marke und Material liegen bei der Hochschule. Gezeigt wird ausschließlich Material, das veröffentlicht wurde oder für die Veröffentlichung bestimmt war.
Die technischen Angaben auf dieser Seite stammen aus den Unterlagen, die ich selbst gestaltet habe, und aus öffentlichen Veröffentlichungen der Hochschule. Personen auf den Abbildungen sind Mitarbeitende und Studierende des Projekts; wer eine Abbildung hier nicht sehen möchte, schreibt mir kurz.
Was am Taifun 17 H₂ eigentlich passiert
Grundlage ist ein vorhandenes Flugzeug: der Reisemotorsegler Valentin Taifun 17 E, ein zweisitziger Tiefdecker in Kunststoffbauweise mit 17 Metern Spannweite und einem Einziehfahrwerk. Ein Segelflugzeug mit Motor also — gebaut dafür, mit möglichst wenig Energie in der Luft zu bleiben. Genau deshalb ist es der richtige Prüfstand für einen Antrieb, der noch nicht viel Energie mitbringen kann.
Der neue Antriebsstrang besteht aus drei Teilen. Eine Brennstoffzelle erzeugt aus Wasserstoff und Luftsauerstoff Strom. Ein synchroner Außenläufermotor setzt ihn in Schub um. Und eine Pufferbatterie deckt die Spitze ab, die beim Start gebraucht wird und die eine Brennstoffzelle allein nicht liefert — vorgeschrieben ist außerdem eine Reserve, die sich anders nicht darstellen lässt.
Das interessanteste Bauteil ist der Tank. Wasserstoff ist gasförmig und muss unter enormem Druck gespeichert werden, damit überhaupt eine sinnvolle Menge ins Flugzeug passt. Verwendet wird deshalb ein mit Kohlefaser-Rovings umwickelter Kugeltank, ausgelegt auf 700 bar, eingebaut im Rumpf hinter den beiden Sitzen. Eine Kugel, weil sie bei Druck die günstigste Form ist. Damit kommt man in die Größenordnung von etwa tausend Kilometern Reichweite.
Der Zeitplan des Projekts, wie er in den Unterlagen steht: Beginn Oktober 2022, erster Prototyp zur Luftfahrtmesse AERO 2023, Einbau des Systems ins Flugzeug 2024, Systemtests 2024 und Anfang 2025, Erstflug im Frühjahr 2025. Ausgezeichnet wurde das Vorhaben auf der AERO in Friedrichshafen mit dem »Sustainable Aviation Award«.
Sechzehn Folien, die Geld einwerben müssen
Ein Forschungsprojekt dieser Größe finanziert sich nicht allein aus Fördermitteln. Die Präsentation ist das Dokument, mit dem Unternehmen angesprochen werden. Aufbau, Gestaltung, Fakten und alle Elemente sind von mir angelegt.
Die Dramaturgie ist bewusst gegen den Reflex gebaut. Naheliegend wäre, mit der Bitte anzufangen. Stattdessen kommt erst das Flugzeug, dann das System, dann der Projektverlauf, dann die Auszeichnung — und erst danach das Sponsoring. Wer bis Folie elf gelesen hat, weiß, worum es geht, und kann die Frage überhaupt beurteilen. Erst Substanz, dann Bitte.
Und die Sponsoring-Seiten sind in zwei Teile geteilt, die man normalerweise vermischt: „Wir bieten“ und „Wir brauchen“. Geboten wird Sichtbarkeit — Nennung auf der Website, in Social Media und auf dem Flugzeug selbst — plus Reichweite unter Studierenden und Forschenden. Gebraucht werden Fertigungsleistungen, Sachspenden und Finanzierung. Beides sauber getrennt, damit ein Unternehmen sofort sieht, was es geben kann und was es dafür bekommt.
Gestalterisch trägt die Präsentation ein schwarzer Grund, das Hochschul-Orange als einzige Akzentfarbe, eine eigene Wortmarke für den Taifun 17 H₂ und technische Strichzeichnungen des Flugzeugs. Dazu Dokumentarfotografie aus der Werkstatt — keine Renderings. Bei einem Projekt, das um echtes Geld bittet, ist das ein Glaubwürdigkeitsfaktor: Man sieht, dass das Flugzeug wirklich in einer Halle steht und dass daran wirklich gearbeitet wird.
Was hinter den Abbildungen steckt
Ein Teil dieser Arbeit ist auf dieser Seite nur indirekt zu sehen. Die Fotografien in der Präsentation und in den Social-Media-Beiträgen sind von mir — im Labor, in der Werkstatt und in der Halle aufgenommen, in denen das Flugzeug steht. Dazu habe ich einen Film für den internen Gebrauch gedreht, der aus Vertraulichkeitsgründen hier nicht gezeigt wird.
Das ist gestalterisch relevanter, als es klingt. Ein Wasserstofflabor ist ein schwieriger Ort für Bilder: Es besteht aus Rohren, Ventilen, Prüfständen und Schaltschränken, und alles darin sieht gleich grau aus. Was die Aufnahmen tragfähig macht, sind zwei Entscheidungen — sehr nah rangehen, sodass ein einzelnes Manometer oder ein Druckminderer die Fläche füllt, und Schärfentiefe als Ordnungsmittel benutzen, damit aus dem Gewirr ein Motiv wird.
Weil ich die Bilder selbst gemacht habe, konnte ich sie zugleich auf die Vorlagen hin fotografieren: Motive mit Platz an der richtigen Ecke für die Stufenform, mit ruhigen Zonen für die Überschrift. Bildproduktion und Layout in einer Hand ersparen genau die Abstimmungsrunde, in der sonst beides schlechter wird.
Vier Dinge aus einem Forschungsumfeld
Ein Thema verstehen, bevor man es gestaltet
Ich wusste vorher nicht, was eine Brennstoffzelle von einer Batterie unterscheidet oder warum ein Wasserstofftank kugelförmig ist. Ohne das hätte ich die Folien nicht sortieren können — man kann keine Argumentationskette bauen, deren Glieder man nicht versteht. Seitdem plane ich bei technischen Projekten die Einlesezeit als eigenen Arbeitsschritt ein, nicht als Vorbereitung nebenbei.
Vorlagen sind wertvoller als Beiträge
Meine ersten Beiträge waren Einzelstücke. Sie sahen gut aus und ließen sich von niemandem fortsetzen. Der Baukasten aus Elementen und Vorlagen war die eigentliche Leistung — und die einzige, die nach meinem Weggang noch etwas wert war. Diese Erfahrung ist der direkte Vorläufer dessen, was ich später bei einer zwölfteiligen Zahlenserie als Regelwerk mit Renderskript gebaut habe.
Erst Substanz, dann Bitte
Bei der Sponsorenpräsentation wollte ich die Sponsoring-Seiten zuerst weiter nach vorn ziehen, weil das der Zweck des Dokuments ist. Die umgekehrte Reihenfolge ist die stärkere: Wer erst überzeugt ist, liest die Bitte als Angebot. Wer zuerst die Bitte liest, liest den Rest als Rechtfertigung.
Fotografieren für ein Layout ist eine andere Aufgabe
Im Labor habe ich gelernt, beim Auslösen schon an die Vorlage zu denken: wo die Fläche für die Überschrift bleibt, wo das Grundelement sitzt, wo ruhiger Hintergrund gebraucht wird. Vorher habe ich fotografiert und danach zugeschnitten. Jetzt komponiere ich für das Format, in dem das Bild landet.
Technische Themen verständlich machen
Weiter zu den anderen Arbeiten
Aus derselben Hochschule, ganz andere Aufgabe: die Website der Fakultät Gestaltung.
Ein Baukasten, nicht eine Reihe von Posts
Der Schwerpunkt meiner Arbeit war Social Media. Entstanden ist dabei nicht in erster Linie eine Menge Beiträge, sondern das System, mit dem sie gebaut werden: Elemente, Vorlagen und Regeln.
Ausgangspunkt war das Hochschuldesign mit seinem kräftigen Orange und einem eigenwilligen Grundelement: einer gestuften Form mit gerundeten Ecken, die aussieht wie eine Treppe aus Pixeln. Dieses Element gab es, es war aber nicht dafür gedacht, im Quadratformat auf einem Telefon zu funktionieren.
Meine Arbeit bestand darin, daraus einen Baukasten zu machen: die Stufenform als Rahmen für Titelbilder, als Abschlusskante unter Textflächen und als Marke in der Ecke; feste Positionen für Überschrift, Fließtext und Logo; ein Verhältnis von Bild zu Fläche, das auch bei viel Text noch aufgeht. Aus dem Baukasten wurden Vorlagen, mit denen ein Beitrag ohne neue Gestaltungsentscheidung entsteht.
Inhaltlich ist der Ansatz derselbe wie später bei anderen technischen Themen: Nicht das Ergebnis bewerben, sondern zeigen, was im Labor tatsächlich passiert. Der Beitrag unten fragt „Was leistet das Wasserstofflabor?“ und antwortet mit der Wahrheit — welche Betriebsarten der Brennstoffzellen-Prüfstand kann und welche Sensorwerte sich erheben lassen. Für Laien ist das eine Liste. Für die Zielgruppe, aus der Kooperationen und Bewerbungen kommen, ist es das eigentliche Argument.