Agenturprojekt · Social Media & Bewegtbild

Enzian Clinic

Social Media für eine Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie plastische und ästhetische Chirurgie in Metzingen. Konzepte von mir, Dreh teils selbst, teils in Assistenz, dazu Vorbereitung und Umsetzung.

Das ist die Disziplin mit der schmalsten Gratwanderung, die ich bisher hatte: medizinische Inhalte, die Reichweite brauchen, ohne ins Reißerische zu kippen. Der erfolgreichste Beitrag aus dieser Arbeit liegt bei rund 1,6 Millionen Aufrufen.

Kunde
Enzian Clinic, Metzingen
Fachgebiet
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, plastische und ästhetische Chirurgie, Lasermedizin
Kanäle
Instagram und TikTok, Schwerpunkt Kurzvideo
Meine Rolle
Konzept, Themenfindung, Vorbereitung, Dreh und Drehassistenz, Umsetzung
Farbe und Schrift des Projekts
Klinikblau#1F4E79Aufhellung#7EA8CCWeiß#FFFFFF

Schrift im Original: Serifenlose in ruhigem Schnitt.

Hinweis zur Vertraulichkeit

Dieses Projekt ist im Rahmen einer Agenturtätigkeit entstanden, die Rechte liegen beim Kunden. Alle Abbildungen sind Bildschirmaufnahmen des öffentlichen Unternehmenskanals — die Beiträge stehen genau so öffentlich im Netz. Zu Konditionen, internen Abläufen und nicht veröffentlichten Inhalten mache ich keine Angaben, und über Patient:innen selbstverständlich erst recht nicht.

Wer eine Abbildung hier nicht sehen möchte, schreibt mir kurz — dann ist sie weg.

Ausgangslage

Ein Thema, über das alle reden und keiner sachlich

Ästhetische Chirurgie ist auf Social Media überversorgt und unterinformiert. Es gibt unendlich viel Material, und der größte Teil davon arbeitet mit denselben zwei Mitteln: Vorher-Nachher als Sensation oder Angst als Klickgrund. Beides ist für eine Klinik, die von Vertrauen lebt, keine Option — und in der Heilmittelwerbung noch dazu heikles Gelände.

Gleichzeitig kann sich eine Klinik der Plattform nicht entziehen. Menschen, die über einen Eingriff nachdenken, recherchieren dort, nicht im Fachbuch. Wer als Klinik nicht auftaucht, überlässt die Antworten den anderen.

Die Aufgabe war deshalb, Formate zu finden, die ohne Sensation Aufmerksamkeit erzeugen. Der Weg dahin war für mich: Fragen ernst nehmen, die Menschen wirklich haben, und sie von jemandem beantworten lassen, der es weiß.

Die Formate

Vier Muster, die tragen

Aus der Themenarbeit sind wiederkehrende Formate geworden. Der Vorteil eines Formats gegenüber einer Idee: Es lässt sich nächste Woche wieder befüllen.

Format 01

Die Frage, die alle stellen

„Was kostet …“, „Was tun nach …“, „Hilft das gegen …“. Titel, die exakt so formuliert sind, wie die Frage tatsächlich gestellt wird, und Antworten, die eine Zahl oder eine klare Auskunft enthalten statt einer Terminaufforderung.

Das ist der unspektakulärste und verlässlichste Typ: Er trifft ein echtes Suchinteresse und liefert etwas, das man weitererzählen kann.

Format 02

Der Blick hinter die Tür

Der Alltag der Behandelnden — was in einem Raum passiert, den Patient:innen nur aus einer Perspektive kennen. Solche Beiträge nehmen Angst nicht durch Beruhigung, sondern durch Vertrautheit.

Nebeneffekt, der wichtiger wurde als gedacht: Diese Beiträge wirken zugleich als Personalgewinnung. Wer sieht, wie in einem Haus gearbeitet wird, weiß, ob er dort arbeiten möchte.

Format 03

Öffentliche Fälle als Aufhänger

Wenn über eine bekannte Person und ihr Aussehen ohnehin öffentlich diskutiert wird, kann eine Fachperson die Diskussion vom Urteil zur Erklärung drehen: Was ist da eigentlich medizinisch gemacht?

Das erzeugt Reichweite, weil das Thema schon läuft. Es verlangt aber Disziplin im Ton — beschreiben, nicht bewerten. Genau daran entscheidet sich, ob so ein Beitrag Ansehen bringt oder kostet.

Format 04

Vergleich statt Versprechen

„A oder B?“, „Was ist der Unterschied?“ Vergleichsformate erlauben fachliche Tiefe, ohne ein Ergebnis zu garantieren — und Garantien sind bei medizinischen Leistungen genau das, was nicht sein darf.

Sie sind außerdem der Typ, der am längsten funktioniert: Ein Vergleich veraltet nicht, sobald der Trend weiterzieht.

Der Kanal

Wie das im Profil aussieht

Zwei Bildschirmaufnahmen des öffentlichen Kanals: das Profil mit dem Raster und die Videoübersicht mit den Aufrufzahlen.

Instagram-Profil der Enzian Clinic mit Beschreibung der Fachgebiete, Highlight-Kreisen und dem Beitragsraster
Profil und Raster. Die Highlight-Kreise sind nach Leistungsbereichen sortiert, die Kacheln folgen einer einheitlichen Titelzeile unten links.
Videoübersicht des Kanals mit neun Vorschaubildern, jeweils mit Titelzeile und Aufrufzahl
Die Videoübersicht. Jede Kachel trägt ihre Frage als Titel — das Raster wird damit selbst zum Inhaltsverzeichnis.

Was hier als Gestaltungsentscheidung sichtbar wird: Jedes Vorschaubild trägt unten links eine Titelzeile in gleicher Position, Schrift und Größe. Das klingt banal und ist der Grund, warum das Raster nicht wie eine Sammlung von Einzelvideos wirkt, sondern wie ein durchblätterbares Verzeichnis. Wer im Profil landet, kann in fünf Sekunden entscheiden, ob seine Frage dabei ist.

An den Zahlen unter den Kacheln lässt sich außerdem die Arbeit selbst ablesen: Die Spannweite zwischen dem schwächsten und dem stärksten Beitrag ist enorm. Genau diese Streuung ist der Alltag in dieser Disziplin — und der Grund, warum es Formate braucht statt Einzelideen. Ein Format, das im Schnitt trägt, ist wertvoller als ein Ausreißer, den man nicht wiederholen kann.

Was ich daraus mitgenommen habe

Vier Dinge über Reichweite mit Verantwortung

1,6 Millionen Aufrufe sind kein Verdienst, sondern ein Datenpunkt

Der stärkste Beitrag aus dieser Arbeit liegt bei rund 1,6 Millionen Aufrufen. Die ehrliche Erkenntnis dazu: Ich kann im Nachhinein erklären, warum er funktioniert hat, hätte es aber vorher nicht vorhergesagt. Was ich daraus mitnehme, ist nicht ein Rezept, sondern die Konsequenz — genug Beiträge produzieren, dass Ausreißer überhaupt entstehen können, und die Formate danach beurteilen, wie sie im Schnitt tragen.

Beschreiben statt bewerten

Bei Beiträgen über öffentlich diskutierte Fälle war die Versuchung groß, die Pointe mitzunehmen, die die Kommentare ohnehin liefern. Genau das hätte die Klinik in dieselbe Ecke gestellt wie die Boulevardkanäle. Die Regel, die ich seither anwende: Ein Beitrag darf erklären, was zu sehen ist, und nie beurteilen, ob es gut ist.

Fachliche Genauigkeit ist ein Gestaltungsmittel

Ich bin kein Mediziner. Bei diesem Kunden habe ich gelernt, wie viel Vorbereitung nötig ist, damit ein Fünfzehn-Sekunden-Video nichts Falsches behauptet: nachfragen, gegenlesen lassen, Formulierungen ändern, die zwar besser klingen, aber nicht stimmen. Diese Runde kostet Zeit und ist die einzige, die man nicht streichen darf.

Vor der Kamera arbeiten andere Regeln als davor am Rechner

Teils habe ich selbst gedreht, teils assistiert und vorbereitet. Am meisten gelernt habe ich in der Assistenz: dass eine gute Aufnahme zu neunzig Prozent Vorbereitung ist, dass Ärzt:innen zwischen zwei Terminen keine zwanzig Takes haben und dass man deshalb mit fertigem Ablauf und fertigen Fragen kommen muss, nicht mit einer Idee.

Was dieses Projekt zeigt

Bewegtbild in einem sensiblen Feld

Social-Media-Strategie Formatentwicklung Kurzvideo-Konzept Dreh & Drehassistenz Schnitt Themenrecherche Kommunikation im Gesundheitsbereich Arbeit mit Fachleuten vor der Kamera Konsistente Vorschaubilder

Weiter zu den anderen Arbeiten

Derselbe Aufgabentyp, völlig andere Branche: der Kanal eines Autohauses auf der Alb.