Beiträge, die aus dem Betrieb kommen
Konzept, Text und Gestaltung für den LinkedIn-Auftritt der Optocycle GmbH und ihrer Geschäftsführung. Die Beiträge erscheinen unter dem Namen der jeweiligen Person — entstanden sind sie an meinem Rechner, von der ersten Zeile bis zum fertigen Bild.
Optocycle baut Kamerasysteme, die mineralische Bauabfälle im Materialstrom erkennen. Die Leserschaft auf LinkedIn sind Betriebsleiter, Anlagenbetreiber und Recyclingunternehmen — Menschen, die den Unterschied zwischen einer Behauptung und einer Beobachtung sofort hören. Also erzähle ich nicht, was die Technik kann, sondern was im Betrieb passiert.
Schrift im Original: Space Grotesk, Ziffern tabellarisch.
Diese Arbeiten sind im Rahmen meiner Anstellung bei der Optocycle GmbH entstanden; die Rechte liegen beim Unternehmen. Gezeigt wird ausschließlich Material, das bereits veröffentlicht wurde oder für die Veröffentlichung bestimmt war. Zu internen Zahlen, Abläufen, Verträgen und nicht veröffentlichten Entwürfen mache ich keine Angaben.
Personenbezogene Daten Dritter habe ich, wo sie nicht ohnehin öffentlich sind, aus den Abbildungen entfernt. Wer eine Abbildung hier nicht sehen möchte, schreibt mir kurz — dann ist sie weg.
Ein technisches Produkt, das niemand sehen kann
Das Problem, das Optocycle löst, ist unsichtbar. Ein Störstoff im Materialstrom — ein Stück Holz zwischen Betonbruch, ein Fremdmaterial in einer Lieferung — ist klein, unauffällig und fällt bei der Sichtprüfung durch. Genau deshalb ist es teuer. Wer für so ein Thema Aufmerksamkeit will, kann nicht mit dem Produkt anfangen. Er muss mit dem Ärger anfangen, den es beseitigt.
Dazu kommt die Kanalfrage. Auf LinkedIn konkurriert ein Beitrag aus der Recyclingbranche mit Beiträgen aus jeder anderen Branche. Er hat etwa eine Sekunde und zwei Zeilen, um zu klären, ob er gelesen wird. Also entscheidet die erste Zeile, nicht das Bild — und das Bild entscheidet, ob überhaupt gestoppt wird.
Mein Ansatz ist deshalb bei jedem Beitrag derselbe: eine Beobachtung aus einer echten Anlage an den Anfang, ein Bild, das eine Frage stellt statt eine Antwort zu geben, und am Ende eine Frage an die Leserschaft, die man wirklich beantworten kann.
„Homogen?“ — ein Wort als ganzer Beitrag
Ein einzelnes Wort mit Fragezeichen auf einem Bild, das aussieht wie eine ganz normale Ladung. Erst der farbig hervorgehobene Streifen zeigt, was tatsächlich darin liegt.
Das Bildmotiv arbeitet mit dem Blick der Kamera selbst: Der Hintergrund ist die Graustufenaufnahme eines Förderbands, der gedrehte Rahmen darüber zeigt denselben Ausschnitt in der Falschfarbendarstellung der Analyse. In dieser Darstellung ist das Stück Holz orange — und damit als Einziges nicht dort, wo es hingehört. Der Ausschnitt ist absichtlich schräg gestellt und läuft aus dem Format: Es ist ein Blick auf einen Vorgang, kein fertiges Ergebnis.
Der Text unter dem Bild beginnt nicht mit Technik, sondern mit einer Erinnerung an eine Anlage, in der auf den ersten Blick alles sauber lief. Der Kern des Beitrags ist ein Satz, der die Technik ganz weglässt:
„Solche Störstoffe sind tückisch. Nicht weil sie laut sind — sondern weil sie leise sind. Nichts, was sofort den Alarm auslöst. Aber über Wochen und Monate? Sie fressen — still und stetig — an der Marge.“
Erst danach kommt in zwei Sätzen, was Optocycle macht. Und zum Schluss eine Frage, die jeder Betriebsleiter aus dem Kopf beantworten kann: Welchen Störstoff hast du schon mal gefunden, und was hat das ausgelöst?
Konferenz-Ankündigung als Zwei-Karten-Karussell
Ankündigung eines Auftritts auf der TECH by Handelsblatt. Zwei Karten, die zusammengehören: eine mit Person, eine mit dem Satz, um den es geht.
Ankündigungen für Bühnenauftritte scheitern meist daran, dass sie alles gleichzeitig sagen wollen: wer, wo, wann, worüber, mit wem. Ich habe die Last deshalb auf zwei Karten verteilt. Karte eins bringt Person und Titel, Karte zwei den Kernsatz aus dem Gespräch. Beide tragen unten denselben Balken mit Bühne, Datum und Zeit — die Information, die man wirklich braucht, steht auf jeder Karte, egal wo man aufhört zu wischen.
Zusammengehalten werden die Karten durch die Diagonale: Auf Karte eins ist es die Silhouette der freigestellten Person, auf Karte zwei dieselbe Schräge als Farbfläche. Wer weiterwischt, sieht dieselbe Form in anderer Funktion. Das Indigo des Unternehmens trägt beide Karten, der Fußbalken in Navy bildet den Boden.
Der Beitrag hat rund 20 Reaktionen und Kommentare der beteiligten Veranstalter erhalten — für ein B2B-Profil in dieser Branche ein ordentlicher Wert. Ein Zeichen, dass es funktioniert hat, war die Reaktion des Veranstalters direkt unter dem Beitrag.
Ein Portal, das jemanden ins Licht setzt
Einladung zu einem Innovationstag der Baubranche. Statt eines Bühnenfotos: das Messportal des Produkts, das das Logo des Veranstalters beleuchtet.
Die Aufgabe war eine Veranstaltungseinladung, in der zwei Marken vorkommen müssen — die des Gastgebers und die eigene. Die üblichen Lösungen sind zwei Logos nebeneinander oder eine Trennlinie in der Mitte. Beides sagt nichts.
Ich habe stattdessen das Messportal als Zeichen benutzt: die Konstruktion, unter der bei Optocycle Material hindurchfährt, hier als Strichzeichnung. Am Querbalken sitzt die Bildmarke wie eine Kamera, und der Erfassungskegel, der im Produkt eine Ladung ausleuchtet, leuchtet hier das Logo des Veranstalters an. Der Satzbau des Bildes ist damit zugleich die Aussage: Wir schauen uns das an, was Sie machen.
Der Beitrag darunter beantwortet zuerst die Frage, die man einem Speaker wirklich stellt: Warum machst du das eigentlich? Erst danach kommen Ort, Zeit und Anmeldelink.
Die Newsletter-Wette
Ein Newsletter-Start ist für alle außer dem Absender uninteressant. Also wurde daraus eine Wette — mit einem Kasten Bier als Einsatz.
„Wir haben jetzt einen Newsletter“ ist keine Nachricht, sondern eine Mitteilung an sich selbst. Der Beitrag hat den Anlass deshalb in eine echte, intern tatsächlich abgeschlossene Wette umgebaut: Schafft der Newsletter vor dem ersten Versand 150 Abonnenten, gibt es einen Kasten Bier. Das Netzwerk wird nicht um eine Anmeldung gebeten, sondern eingeladen, jemanden eine Wette verlieren zu lassen.
Das Bild ist entsprechend gebaut: kein Briefsymbol, sondern der Wetteinsatz als Hauptdarsteller. Ein Bierkasten mit der Wortmarke im Etikett, flach und reduziert in der Formsprache des Unternehmens, dazu eine kurze Animation, in der die Kronkorken abspringen und die Zeile einsetzt. Bewegung im Feed ist ein Vorteil, den man ohne Zusatzaufwand mitnehmen kann — die Bewegung war eine Schleife von wenigen Sekunden, die von einer Standbildvorlage abgeleitet ist.
Es ist der Beitrag mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Reaktion in dieser Reihe: rund 21 Reaktionen, fünf Kommentare, drei Weiterleitungen — und, was mehr zählt, Kommentare mit inhaltlicher Beteiligung statt Gratulationen.
Vier Dinge, die vorher nur Theorie waren
Der Text ist der Entwurf, nicht das Bild
Ich habe angefangen wie Gestalter meistens anfangen: mit dem Bild. Das hat regelmäßig zu Beiträgen geführt, die gut aussahen und nichts sagten. Inzwischen schreibe ich zuerst den Text, lese ihn ohne Bild und gestalte erst dann. Wenn die ersten zwei Zeilen allein nicht funktionieren, hilft kein Motiv.
Fremde Stimmen schreiben heißt, die eigene wegzulassen
Diese Beiträge erscheinen unter dem Namen anderer Menschen. Das ist die eigentliche Übung: Satzlänge, Wortwahl und Humor müssen zur Person passen, nicht zu mir. Ich habe dafür gelernt, vorhandene Beiträge einer Person zu lesen wie ein Stilhandbuch — und meine liebsten Formulierungen zu streichen, wenn sie nicht in diese Stimme gehören.
Reibung ist besser als Zustimmung
Die Beiträge mit den meisten Reaktionen sind nicht die glattesten, sondern die, bei denen man widersprechen kann. Eine echte Frage am Ende, ein Einsatz, eine schräge Behauptung — daraus entstehen Kommentare. Aus einer Produktbeschreibung entsteht Schweigen. Das war die für mich unangenehmste, aber nützlichste Erkenntnis.
Verantwortung ohne Freigabeschleife
Von Idee über Text und Bild bis zur Freigabe hängt an diesen Beiträgen keine Abteilung, sondern ich. Das heißt auch: Wenn ein Zahlendreher im Bild steht oder ein Satz missverständlich ist, gibt es niemanden, der es vorher findet. Ich arbeite deshalb inzwischen mit einer festen Schlussprüfung — Zahlen, Namen, Daten, Links, Kontrast — bevor etwas rausgeht.
Text und Gestaltung aus einer Hand
Der Grund, warum diese Beiträge zusammenpassen, ist kein Stilprogramm, sondern die Reihenfolge: Erst steht die Beobachtung, dann der Text, dann das Bild. Weil beides von derselben Person kommt, kann das Bild eine Aussage weiterführen statt sie nur zu bewerben.
Und es ist Arbeit an einem Thema, das mir nicht in den Schoß gefallen ist. Über mineralische Bauabfälle, Störstoffe und Verwertungsquoten wusste ich vorher nichts. Der größte Teil dieser Aufgabe war Zuhören: in Gespräche mit Kolleg:innen, in Kundenrückmeldungen, in Fachtexte — so lange, bis ich einen Satz schreiben konnte, den ein Betriebsleiter nicht sofort als Marketing erkennt.
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Aus derselben Rolle: eine zwölfteilige Zahlenserie, eine Aprilscherz-Kampagne und die Print-Kommunikation.