Die Werbetafel
Zwei digitale Werbeflächen in Münsingen. Der Name stand bereits fest, ein Gesicht hatte das Ganze noch nicht. Konzept und Gestaltung, Logo, Icon-Set und Auftritt für ein internes Projekt der Agentur, in der ich damals gearbeitet habe.
Ein LED-Werbeträger verkauft kein Produkt zum Mitnehmen, sondern Sichtbarkeit an einem festen Ort. Genau daran hängt der Entwurf: Farbe, Typografie und Zeichen sind so angelegt, dass sie gemeinsam auf diesen einen Ort verweisen — und nicht auf irgendeine Fläche irgendwo.
Dieses Projekt ist im Rahmen einer Agenturtätigkeit entstanden. Gezeigt wird ausschließlich das öffentlich sichtbare Ergebnis. Zu Konditionen, internen Abläufen, Beteiligten und nicht veröffentlichten Entwürfen mache ich keine Angaben.
Schrift im Original: gerundete Schrift mit geschwungenen Endungen.
Ein Name und zwei Masten
Am Anfang standen zwei LED-Flächen in Münsingen, eine an einer vielbefahrenen Straße im Ort, eine am Bad. Dazu ein Name, der bereits feststand: Die Werbetafel. Alles Weitere gab es nicht. Kein Zeichen, keine Farbe, keine Bildwelt, keine Website. Was der Auftritt später sein würde, musste vollständig erst entstehen.
Der zweite Umstand hat den Entwurf mindestens genauso geprägt wie der erste: Wer solche Flächen mietet, sind Handwerksbetriebe aus der Umgebung, Vereine vor dem nächsten Turnier, Veranstalter kurz vor dem Termin. Menschen, die selten bis nie Werbeflächen einkaufen und mit Branchensprache nichts anfangen können. Der Auftritt durfte deshalb nicht nach Mediaagentur klingen, sondern musste ansprechbar wirken.
Und drittens: Das Medium lässt sich nicht verschieben. Sein ganzer Wert kommt daraus, wer dort täglich vorbeifährt. Eine Marke, die diesen Ortsbezug nicht mitträgt, verkauft Werbezeit wie Meterware.
Zwei Farben, eine Typografie, ein Zeichen
Der Kern ist nicht ein einzelnes Element, sondern ihr Verhältnis zueinander. Alle drei Ebenen tragen dieselbe Aussage und stützen sich gegenseitig.
Waldgrün und Weiß, sonst nichts
Ein sattes, dunkles Grün als einzige Farbe, dazu Weiß. Es greift auf, was rund um die Standorte tatsächlich zu sehen ist: Felder, Baumreihen, Ortsrand. Gleichzeitig hält der harte Hell-Dunkel-Kontrast auch das aus, wofür er gedacht ist — Wahrnehmung im Vorbeifahren, bei Tageslicht, aus Entfernung.
Rund statt sachlich
Außenwerbung klingt schnell nach Tarifliste. Die Wahl fiel deshalb auf eine weiche, gerundete Schrift mit eigenwilligen Endungen, deren geschwungene Details sich in Logo und Icons fortsetzen. Sie nimmt dem Thema die Nüchternheit und passt zu einem Anbieter, bei dem man anruft, statt ein Formular auszufüllen.
Ein W, das eine Tafel ist
Die Bildmarke setzt das W zwischen zwei eckige Klammern, die zusammen den Rahmen einer Tafel ergeben. Buchstabe und Gegenstand in einer Form. Für Sticker und Profilbilder gibt es eine runde Siegelvariante mit umlaufendem Schriftzug.
Icons, die aus dem Logo kommen
Der auffälligste Zug des Entwurfs ist eine leicht geschwungene, wie von Hand gerissene Kante. Sie sitzt im Logo, in der Schrift und in jedem Piktogramm — dadurch wirkt das Set nicht wie zugekaufte Symbole neben einer Marke, sondern wie ein Alphabet aus derselben Feder.
- Gleiche Strichstärke, gleiche Radien, dieselbe wellige Außenkante in allen Zeichen.
- Ein wiederkehrender kleiner Winkel verbindet jedes Icon mit seiner Beschriftung, statt beides nur untereinanderzusetzen.
- Die Motive kommen aus dem Alltag des Angebots: die Tafel selbst, der Ortsmarker, das Auge, die Reaktionszeit, der Preis.
Vom Bildschirm bis auf den Laptopdeckel
Ein Zeichensystem beweist sich erst dort, wo es in ganz unterschiedlichen Größen und Medien bestehen muss. Hier läuft es vom Website-Header über ein gedrucktes Infoblatt bis zum Aufkleber durch.
Gestaltung, die einen Ort mitdenkt
Worauf es mir ankommt, ist der Zusammenhang. Farbe, Typografie und Zeichen sind nicht nacheinander entstanden, sondern aufeinander hin. Sie verweisen gemeinsam auf ein Medium, das an einen festen Standort gebunden ist, und machen aus zwei Mietflächen einen Auftritt mit eigenem Gesicht.
Dazu kommt der Unterschied zur freien Arbeit: Ein solches Projekt muss nicht mir gefallen, sondern funktionieren. Für ein Angebot, dessen Kundschaft aus dem Ort kommt, dessen Anfragen per Telefon hereinkommen und dessen Erfolg sich daran misst, ob die Flächen belegt sind. Das schärft die Entscheidungen, weil sich jede Geschmacksfrage früher oder später rechtfertigen muss.
Die Seite ist live
Am besten wirkt der Auftritt dort, wo er seine Arbeit tut.