Agenturprojekt · Marke von null · Naming, CI, Fotografie

FORA

Am Anfang gab es ein Produkt. Sonst nichts. Keinen Namen, kein Zeichen, keine Farbe, keine Bilder. FORA ist die Forstmarke, die daraus entstanden ist — der Name ist von mir, die gesamte Produkt- und Anwendungsfotografie ebenfalls, und den Aufbau der Corporate Identity habe ich von der ersten Skizze an begleitet.

Das Produkt ist ein mechanischer Fällkeil für die Starkholzernte: ein Werkzeug, das ein Forstwirt in den Stamm setzt und mit dem er einen mehrere Tonnen schweren Baum in eine bestimmte Richtung fallen lässt. Wer so etwas kauft, kauft keine Optik. Er kauft die Gewissheit, dass es hält.

Marke
FORA, Forstsparte eines Maschinenbauunternehmens auf der Schwäbischen Alb
Kontext
Agenturprojekt
Ausgangslage
ein fertiges Produkt, kein Name, kein Logo, keine Bilder
Meine Rolle
Naming, gesamte Fotografie, Mitentwicklung von Farb- und Schriftkonzept, Begleitung des CI-Aufbaus
Farbe und Schrift des Projekts
Rinde#591902Karamell#BF895ACreme#F2DCC2Navy#0E1B4DSignal#E32402

Schrift im Original: Nexa Rust Sans Black für Überschriften, Questrial für Text.

Hinweis zur Vertraulichkeit

Dieses Projekt ist im Rahmen einer Agenturtätigkeit entstanden, die Rechte liegen beim Kunden. Gezeigt wird ausschließlich das öffentlich sichtbare Ergebnis, so wie es auf der Website der Marke steht. Zu Konditionen, internen Abläufen, Beteiligten und nicht veröffentlichten Entwürfen mache ich keine Angaben.

Ausgangslage

Ein Werkzeug ohne Marke

Das Unternehmen dahinter kommt aus Maschinenbau und CNC-Zerspanung. Es kann Metall. Was es vor diesem Projekt nicht hatte, war eine Sprache für das, was es baut: Die Fällkeile existierten als Produkt, hatten technische Bezeichnungen, aber keine Marke, unter der ein Forstwirt sie kaufen könnte.

Diese Ausgangslage ist die seltene, die Gestalter sich wünschen und die sich unangenehm anfühlt, wenn man tatsächlich davor sitzt. Es gibt nichts, worauf man sich beziehen kann. Kein Bestandslogo, das man weiterentwickelt, keine Hausfarbe, die vorgegeben ist, kein Bildarchiv. Jede Entscheidung ist die erste ihrer Art und wird für alle folgenden verbindlich.

Dazu die Zielgruppe. Ein professioneller Forstwirt bewegt mit diesem Werkzeug Bäume, die ihn erschlagen können. Er ist von Berufs wegen skeptisch gegenüber allem, was nach Verkaufen aussieht, und er erkennt in einer Sekunde, ob ein Bild im Wald oder im Studio entstanden ist. Eine Marke, die für ihn glaubwürdig sein will, darf nicht schön aussehen wollen. Sie muss richtig aussehen.

Der Name

Vier Buchstaben, die den Wald mitbringen

Der Name FORA ist von mir. Er musste mehreres gleichzeitig können: kurz genug, um auf ein Werkzeug graviert zu werden. Aussprechbar für deutsche und internationale Kundschaft, weil ein Fällkeil nicht an der Landesgrenze aufhört. Eindeutig genug, um als Marke zu funktionieren, und offen genug, um später mehr zu tragen als ein einzelnes Produkt.

Und er sollte nach dem klingen, worum es geht, ohne es zu buchstabieren. FORA trägt den Forst hörbar im Anlaut, ohne dass „Forst“ dasteht. Vier Buchstaben, zwei Silben, offener Vokal am Ende — das ist ein Name, den man am Telefon einmal sagt und der ankommt. Nichts davon ist Zufall; genau diese Eigenschaften waren die Anforderungsliste, gegen die ich Kandidaten geprüft habe.

Dass ein Name so unauffällig wirkt, ist die Absicht. Namen, die sich anstrengen, altern schnell. Ein Name, der wie selbstverständlich klingt, gibt allem, was danach kommt — Zeichen, Farbe, Bild, Text — den Raum, die eigentliche Arbeit zu machen.

Die Identität

Die Farben des Holzes, nicht des Waldes

Am Farb- und Schriftkonzept habe ich mitgearbeitet. Die Entscheidung, für die ich argumentiert habe, ging gegen den ersten Reflex.

Farbe

Kein Waldgrün

Der naheliegende Griff bei einer Forstmarke ist Grün. Genau deshalb ist Grün dort das schwächste Signal: Es unterscheidet nichts, weil es alle nehmen, und es erzählt vom Laub statt vom Holz.

Die Palette kommt deshalb von der anderen Seite der Säge: ein tiefes Rindenbraun als Hausfarbe, dazu Karamell und ein helles Creme — genau die Farben, die entstehen, wenn ein Stamm aufgeschnitten wird. Ergänzt um ein sattes Navy für Überschriften auf hellem Grund und ein Signalrot, das nur dort auftaucht, wo im Handel wirklich Signal nötig ist.

Schrift

Zwei Schnitte, klare Aufgaben

Für Überschriften eine schwere, breit laufende geometrische Versalschrift mit quadratisch angelegten Innenräumen. Sie hat Standfestigkeit, ohne sich als Holzfäller-Schrift zu verkleiden — die Buchstaben stehen da wie Werkzeuge, nicht wie Dekoration.

Für alles Lesbare eine ruhige, offene geometrische Textschrift. Die Trennung war mir wichtig, weil in dieser Marke ständig Zahlen vorkommen: Typenkürzel, Ersatzteilnummern, Schlüsselweiten, Hubkräfte. Wenn die Ziffern im Text nicht sauber laufen, hilft die schönste Headline nichts.

Die Wort-Bild-Marke setzt die vier Buchstaben weit gesperrt und stellt daneben einen Baum, dessen Stamm sich gabelt — und in der Gabelung sitzt eine helle Keilform. Das Produkt steckt also im Zeichen, ohne dass irgendwo „Fällkeil“ steht. Das ist die Art von Detail, die man auf einem Aufkleber am Werkzeugkoffer erst beim zweiten Hinsehen bemerkt und dann nicht mehr vergisst.

Und was an Systematik entstanden ist, zeigt sich am unauffälligsten Ort: an der Benennung. Typenkürzel, Ersatzteilnummern und Zubehörbezeichnungen folgen einem durchgehenden Schema, das Produkte, Sets und Ersatzteile einer Modellreihe eindeutig zuordnet. Das ist kein Gestaltungsthema im engeren Sinn und für einen Betrieb, der Ersatzteile über Jahre liefern muss, die halbe Marke.

Die Wort-Bild-Marke FORA: vier weit gesperrte cremefarbene Versalbuchstaben auf dunkelbraunem Grund, rechts daneben ein Baum mit runder Krone, dessen gegabelter Stamm eine helle Keilform trägt
Die Wort-Bild-Marke. In der Stammgabelung sitzt der Keil — das Produkt im Zeichen.
Die Bilder

Alle Aufnahmen sind von mir

Die komplette Bildwelt der Marke ist von mir fotografiert: Produktaufnahmen der Werkzeuge und die Anwendungsbilder draußen. Das war der Teil der Arbeit, der am meisten Zeit gekostet hat, und der Teil, auf den ich am meisten Wert lege.

Die Anwendungsbilder sind im Wald entstanden, nicht im Studio. Das ist keine Romantik, sondern eine Notwendigkeit: Ein Fällkeil im Studio ist ein Stück gefrästes Metall auf weißem Grund. Derselbe Keil im Stamm, mit Rinde, Sägespänen und echtem Licht, ist ein Werkzeug bei der Arbeit. Der Unterschied entscheidet, ob ein Forstwirt weiterliest.

Die Produktaufnahmen müssen dagegen genau das Gegenteil tun: nüchtern zeigen, was man bekommt. Gewinde, Kanten, Aufnahmen für die Ratsche, Verschleißteile. Ein Ersatzteil, das man online kauft, muss auf dem Bild identifizierbar sein — sonst wird bestellt, was nicht passt, und der Aufwand landet wieder beim Betrieb.

Aus diesen zwei Anforderungen ist eine Regel geworden, die ich seither übernehme: Anwendungsbilder erzählen, Produktbilder belegen. Beides in einem Bild zu versuchen, macht aus einem guten Foto zwei mittelmäßige.

Bildstrecke

Die Marke in Anwendung

Aufnahmen der Marke im Einsatz, so wie sie öffentlich zu sehen ist. Die Fotografien in diesen Ansichten sind von mir.

Startseite von FORA: Forstwirt am angeschnittenen Stamm, in dem ein Fällkeil sitzt, darüber der Satz Mehr Leistung, weniger Aufwand auf dunkelbrauner Fläche
Die Startseite. Das Anwendungsbild ist der Anfang, nicht die Illustration — Keil im Schnitt, Späne, echtes Licht.
Produktübersicht mit vier Karten: freigestellte Fällkeile und Ersatzteile auf weißem Grund, jeweils mit Bezeichnung und Preis
Produktübersicht. Hier arbeiten die Aufnahmen genau umgekehrt: nüchtern, freigestellt, identifizierbar.
Produktseite eines Fällkeils mit Ledertasche, mit KWF-Profi-Siegel und Preisangabe
Produktseite. Wer ein Ersatzteil bestellt, muss es auf dem Bild wiedererkennen.
Drei Blogbeiträge mit Fotografien: Fällkeil im Sägespalt, Forstwirt am Stamm, Forstwirtin im Wald mit ausgestrecktem Arm
Fachbeiträge. Dieselbe Bildwelt in redaktioneller Anwendung.
Über-uns-Seite mit Überschriften in Rindenbraun und Navy auf hellem Grund
Über uns. Auf hellem Grund übernimmt das Navy die Überschriften.
Was ich daraus mitgenommen habe

Vier Dinge über Marken, die bei null anfangen

Der naheliegende Griff ist meistens der falsche

Grün für Forst, kantige Schrift für Handwerk, Studio für Produkt: Das sind keine Entscheidungen, das sind Reflexe. In diesem Projekt habe ich zum ersten Mal konsequent geprüft, was die Konkurrenz macht, und dann bewusst daneben entschieden — mit Begründung, nicht aus Trotz. Seitdem ist „das machen alle so“ für mich ein Argument gegen etwas.

Ein Name ist eine Anforderungsliste, kein Geistesblitz

Ich habe vorher gedacht, Naming sei Inspiration. Es ist Auswahl. Aussprechbarkeit, Gravierbarkeit, Länge, internationale Verständlichkeit, Erweiterbarkeit auf künftige Produkte — erst wenn diese Liste steht, kann man Kandidaten überhaupt bewerten. Der Rest ist Streichen.

Fotografieren ist Markenarbeit, nicht Zulieferung

Weil ich die Bilder selbst gemacht habe, konnte ich beim Fotografieren Entscheidungen treffen, die zur Identität gehören: welches Licht, welche Nähe, wie viel Unordnung im Hintergrund erlaubt ist. Hätte ich Bilder eingekauft, wären es Bilder gewesen, die zur Marke passen. So sind es Bilder, die die Marke sind.

Die halbe Marke steckt in der Benennung

Am Anfang hielt ich das Nummernschema für Verwaltung. Für einen Betrieb, der Ersatzteile über Jahre liefert, ist es das, was den Unterschied zwischen einer Marke und einer Produktreihe macht. Ich frage bei Markenprojekten seitdem früh nach Ersatzteilen, Varianten und Nachfolgemodellen — lange bevor über das Logo gesprochen wird.

Was dieses Projekt zeigt

Corporate Identity von der ersten Entscheidung an

Naming Corporate Identity Farbkonzept Typografie Produktfotografie Anwendungsfotografie Nomenklatur & Produktsystematik B2B-Fachzielgruppe Arbeit im Agenturteam

Die Marke im Einsatz

Am besten wirkt eine Marke dort, wo sie verkaufen muss.