50 Jahre Römerstein
Am 1. Januar 1975 haben sich Donnstetten, Zainingen und Böhringen zur Gemeinde Römerstein zusammengeschlossen. Zum fünfzigsten Jahrestag: ein Jubiläumssignet und die Einladung zum Festwochenende. Gestaltung, Farbwahl, Hintergrundmotive und Satz von mir.
Ein Gemeindejubiläum hat eine Besonderheit, die kein Firmenjubiläum kennt: Gefeiert wird nicht ein Unternehmen, sondern ein Zusammenschluss. Drei Orte, die vorher eigenständig waren und in denen fünfzig Jahre später immer noch Menschen wohnen, die sich als Donnstetter, Zaininger oder Böhringer verstehen.
Schrift im Original: Schreibschrift für Titel und Wochentage, Grotesk für alles Übrige.
Dieses Projekt ist im Rahmen einer Agenturtätigkeit für eine öffentliche Auftraggeberin entstanden, die Rechte liegen bei der Gemeinde. Gezeigt werden ausschließlich Drucksachen, die öffentlich verteilt wurden. Die Unterschrift der Bürgermeisterin habe ich in der Abbildung unkenntlich gemacht — sie steht so nicht zur Weiterverwendung im Netz.
Drei Orte, eine Gemeinde, ein Zeichen
Die Gemeinde hat ein bestehendes Logo: eine facettierte, blau geschichtete Form, die den Stein aufnimmt, der im Namen steckt, dazu der Claim „Heimat. Zukunft. Erholung.“ Dieses Zeichen war gesetzt und durfte nicht angetastet werden. Die Aufgabe war also nicht, ein Logo zu entwerfen, sondern ein Jubiläumszeichen um ein vorhandenes Zeichen herum zu bauen.
Das ist gestalterisch der unbequemere Fall. Ein Jubiläumssignet, das das Gemeindelogo einfach mit einer Jahreszahl bestempelt, wirkt aufgeklebt. Eines, das eigenständig auftritt, macht dem Gemeindelogo Konkurrenz. Gesucht war eine Form, die das Bestehende aufnimmt statt es zu überdecken.
Und es gab eine inhaltliche Bedingung: Kein Ortsteil durfte bevorzugt werden. Bei einem Jubiläum, das eine Fusion feiert, ist die Gleichbehandlung der drei Orte keine Höflichkeit, sondern die Aussage selbst.
Eine Briefmarke, kein Stempel
Das Gemeindelogo sitzt in einem Rahmen mit gezähntem Rand: der Form einer Briefmarke. Diese eine Entscheidung löst mehrere Probleme gleichzeitig.
Eine Briefmarke ist die einzige Bildform, die es zur Aufgabe hat, etwas anderes zu zeigen und dabei selbst Rahmen zu bleiben. Genau das war gebraucht: Das Gemeindelogo bleibt Hauptmotiv, das Jubiläum ist der Anlass, aus dem es gerahmt wird. Dazu kommt die Bedeutung, die eine Briefmarke ohnehin mitbringt — Marken erscheinen zu Anlässen, die es wert sind, festgehalten zu werden, und sie sind amtlich, ohne behördlich zu wirken. Für eine Gemeinde ist dieser Ton genau richtig.
Die Jahreszahl steht nicht über dem Logo, sondern rechts unten in die Kontur hineingesetzt, wo die facettierte Form eine natürliche Lücke lässt. „50 Jahre“ ist in einer Schreibschrift gesetzt, „1975–2025“ darunter klein und sachlich. Der Kontrast zwischen dem handschriftlichen und dem technischen Element ist die ganze Dramaturgie des Zeichens: das Persönliche und das Datum, direkt untereinander.
Die Farbe folgt dem Gemeindelogo und bleibt bewusst in einer einzigen Familie: ein mittleres Blau als Grundton, ein dunkleres für den Rahmen, ein helles für die Zähnung. Kein zusätzlicher Jubiläumsakzent, kein Gold, kein Rot. Ein Zeichen, das mit einer Farbe auskommt, funktioniert auch dort, wo einfarbig gedruckt wird — auf Stempeln, Bannern, Fahrzeugbeschriftung und in der Tageszeitung.
Drei Ortsteile, gleich behandelt
Die Flächen der Einladung sind nicht einfarbig. Im Hintergrund liegt, sehr hell und stark zurückgenommen, eine Montage aus den prägenden Gebäuden der drei Ortsteile — die Bauten, an denen jeder im Ort erkennt, wo er ist. Ich habe die Motive aufgenommen, freigestellt und zu einem durchgehenden Fries zusammengesetzt, der über beide Seiten läuft.
Diese Entscheidung ist die eigentliche Antwort auf die Aufgabe. Kein Ortsteil bekommt ein eigenes Bild, keiner steht vorn, keiner fehlt. Sie liegen alle in derselben Ebene, in derselben Farbe, in derselben Zurücknahme — und ergeben zusammen den Untergrund, auf dem die Einladung steht. Das ist die Gemeindereform als Bild, ohne dass es jemand erklären muss.
Die Deckkraft ist dabei bewusst so weit heruntergenommen, dass man den Fries beim ersten Blick eher spürt als sieht. Ein Hintergrund, der auffällt, kostet Lesbarkeit — und dieses Blatt muss vor allem eines leisten: dass eine ältere Leserin am Küchentisch mühelos erkennt, wann sie wo sein soll.
Ein Programm, das man am Kühlschrank braucht
Zweiseitig, hochformatig. Vorne das Programm, hinten die Organisation. Die Rollentrennung ist streng eingehalten.
Die Vorderseite ist nach Tagen gegliedert: Freitag, Samstag, Sonntag. Die Wochentage stehen in der Schreibschrift des Signets und sind damit die stärkste Ebene auf der Seite — man findet den richtigen Tag, ohne zu lesen. Darunter jeweils die Uhrzeit kursiv, dann der Anlass fett, dann der Ort in Klammern. Immer dieselbe Reihenfolge, immer dieselben Auszeichnungen. Wer einmal verstanden hat, wie ein Eintrag gebaut ist, liest alle folgenden schneller.
Die Rückseite übernimmt alles, was organisatorisch geklärt werden muss und auf der Vorderseite die Übersicht zerstören würde: die Sternwanderung zum Römersteinturm mit Startzeiten in den Ortsteilen, Parkplätze, ein Fahrservice mit Abfahrtszeiten, die Bitte um Anmeldung — und der Hinweis, dass an dem Wochenende Foto- und Filmaufnahmen entstehen, mit einer Adresse für Widerspruch. Solche Pflichtangaben rutschen in vielen Drucksachen ins Kleingedruckte. Auf diesem Blatt stehen sie in derselben Größe wie der Rest, weil sie für die Betroffenen genauso wichtig sind wie das Programm.
Drei Dinge über öffentliche Auftraggeber
Ein Rahmen ist stärker als ein Zusatz
Mein erster Ansatz war, dem Gemeindelogo ein Jubiläumselement beizustellen. Das sah in jeder Variante nach Aufkleber aus. Die Lösung kam erst, als ich die Frage umgedreht habe: nicht was füge ich hinzu, sondern was kann das Bestehende umschließen, ohne es zu schwächen. Diese Frage stelle ich mir seither bei jeder Aufgabe im fremden Markenrahmen.
Gleichbehandlung kann man gestalten
Dass keiner der drei Ortsteile bevorzugt werden darf, war eine politische Vorgabe. Sie im Hintergrundfries zu lösen — alle Gebäude in einer Ebene, einer Farbe, einer Zurücknahme — hat mir gezeigt, dass so eine Bedingung keine Fessel sein muss, sondern das beste Motiv des ganzen Projekts sein kann.
Lesbarkeit hat Vorrang vor Wirkung
Ich hatte den Hintergrundfries zunächst deutlich kräftiger. Er sah besser aus und machte das Programm schwerer lesbar. Bei einem Blatt, das in einer Gemeinde an alle Haushalte geht und von Menschen jeden Alters genutzt wird, ist das keine Abwägung, sondern eine klare Entscheidung. Ich habe die Deckkraft mehrfach reduziert — und würde es wieder tun.
Gestaltung im fremden Markenrahmen
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Aus derselben Agenturzeit: eine Marke von null, ein visueller Auftritt von null und zwei Social-Media-Kanäle.