Laster-Luaga und Kippa-Glotzer
Am 1. April hat Optocycle seine fünf Produkte umbenannt — konsequent ins Schwäbische. Idee, Namen, sechs Bildkarten und der Beitragstext von mir. Der Beitrag mit der größten Reichweite, die ich für das Unternehmen erreicht habe.
Das Unternehmen sitzt in Tübingen und entwickelt dort Hard- und Software. Die Produkte hießen bis dahin Truck Imager, Belt Imager, Heap Imager, Train Imager und Self Scan. Der Scherz war nicht die Umbenennung, sondern die Ernsthaftigkeit, mit der sie durchgezogen wurde.
Schrift im Original: Space Grotesk, Ziffern tabellarisch.
Diese Arbeiten sind im Rahmen meiner Anstellung bei der Optocycle GmbH entstanden; die Rechte liegen beim Unternehmen. Gezeigt wird ausschließlich Material, das bereits veröffentlicht wurde oder für die Veröffentlichung bestimmt war. Zu internen Zahlen, Abläufen, Verträgen und nicht veröffentlichten Entwürfen mache ich keine Angaben.
Personenbezogene Daten Dritter habe ich, wo sie nicht ohnehin öffentlich sind, aus den Abbildungen entfernt. Wer eine Abbildung hier nicht sehen möchte, schreibt mir kurz — dann ist sie weg.
Ein Aprilscherz, der nicht peinlich sein darf
Aprilscherze von Unternehmen gehen meistens auf eine von zwei Weisen schief. Entweder sie sind so unglaubwürdig, dass sie niemanden erreichen, oder so glaubwürdig, dass sich Kunden ärgern. Für ein Unternehmen, das Betriebsleitern Verlässlichkeit verkauft, ist die zweite Variante gefährlicher.
Der Ausweg war ein Scherz, der etwas Wahres behauptet: Optocycle ist wirklich in Baden-Württemberg entstanden, Hardware und Software werden wirklich in Tübingen entwickelt. Nur die Schlussfolgerung ist Unsinn — dass die Produktnamen deshalb ins Schwäbische übersetzt werden müssen. Niemand fühlt sich getäuscht, weil die Prämisse stimmt.
Und der Scherz kostet nichts, wenn er auffliegt. Es wird kein Feature versprochen, kein Preis geändert, keine Partnerschaft erfunden. Am 2. April ist alles wie vorher, nur hat man gelacht.
Erst die Nachricht, dann fünfmal die Pointe
Karte eins bringt die Ankündigung auf einem Produktfoto. Die fünf folgenden Karten sind identisch aufgebaut: alter Name durchgestrichen, isometrische Strichzeichnung, neuer Name in Versalien.
Der Aufbau ist bewusst monoton. Bei einem Karussell ist Wiederholung nicht langweilig, sondern der Motor: Wer die zweite Karte verstanden hat, wischt weiter, um zu sehen, wie das Muster beim nächsten Produkt ausgeht. Die Pointe sitzt jedes Mal an derselben Stelle unten, sodass der Blick beim Wischen nicht suchen muss.
Die Zeichnungen sind dieselben isometrischen Darstellungen, mit denen das Unternehmen auch sonst seine Aufbausituationen erklärt: Portal, Messkegel, Material. Dass die technische Bildsprache völlig unverändert bleibt und nur die Beschriftung kippt, ist der eigentliche Witz — die trockene Zeichnung neben dem albernen Namen.
„Breaking News aus dem Ländle“
Der Text macht das, was der Scherz braucht: Er nimmt sich selbst ernst. Erst die wahre Feststellung, dass das Unternehmen und seine Technik aus Baden-Württemberg kommen. Dann der Satz, dass man das auch hören darf. Dann die Liste, fünf Zeilen, jede mit Pfeil. Und am Ende eine Einladung, statt einer Auflösung: Wer die neuen Bezeichnungen versteht, darf einen Daumen dalassen — wer Übersetzungen in andere Dialekte hat, gern in die Kommentare.
Diese letzte Zeile hat den Beitrag getragen. Sie verlangt nichts, sondern öffnet ein Spiel, an dem sich jeder mit einem Satz beteiligen kann. Ergebnis: rund 110 Reaktionen, 25 Kommentare und drei Weiterleitungen — deutlich mehr als alles andere, was ich in diesem Zeitraum für das Unternehmen veröffentlicht habe.
Drei Dinge über Humor im B2B
Der beste Scherz baut auf einer wahren Prämisse
Die Regel, die ich mitnehme: Wenn die Voraussetzung stimmt und nur die Folgerung Unsinn ist, kann sich niemand getäuscht fühlen. Damit hat der Scherz kein Risiko und trotzdem eine Pointe. Das ist übertragbar auf jedes Unternehmen, dessen Kundschaft Verlässlichkeit erwartet.
Reichweite kommt nicht vom Aufwand
Dieser Beitrag hat mich weniger Zeit gekostet als andere und die zehnfache Reaktion gebracht. Der Unterschied war nicht Gestaltung, sondern die Einladung am Ende. Seitdem prüfe ich bei jedem Beitrag zuerst, ob es etwas gibt, das die Leserschaft tun kann — bevor ich am Bild feile.
Bestehende Bildsprache als Pointenlieferant
Mein erster Reflex war, für den Scherz eine eigene, lustigere Bildwelt zu bauen. Genau das hätte ihn zerstört. Die Komik entsteht daraus, dass die technische Zeichnung völlig unbeeindruckt bleibt. Kontrast statt Verdopplung — ein Prinzip, das ich seither auch außerhalb von Scherzen benutze.
Kampagne von der Idee bis zur letzten Karte
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Dieselben fünf Produkte, diesmal ernst: die Produktflyer in zwei Sprachen.