Die kleinen Dinge
Vier Arbeiten, die einzeln zu klein für eine eigene Seite sind und zusammen viel über den Alltag in dieser Rolle sagen: Bedienicons für das Kundendashboard, ein zweisprachiger Hinweissticker für die Hardware, eine Fahnengestaltung und ein Titelclip.
Das ist der Teil der Arbeit, der in Portfolios normalerweise fehlt. Er ist unspektakulär, wird täglich benutzt und fällt nur auf, wenn er schlecht gemacht ist.
Schrift im Original: Space Grotesk, Ziffern tabellarisch.
Diese Arbeiten sind im Rahmen meiner Anstellung bei der Optocycle GmbH entstanden; die Rechte liegen beim Unternehmen. Gezeigt wird ausschließlich Material, das bereits veröffentlicht wurde oder für die Veröffentlichung bestimmt war. Zu internen Zahlen, Abläufen, Verträgen und nicht veröffentlichten Entwürfen mache ich keine Angaben.
Personenbezogene Daten Dritter habe ich, wo sie nicht ohnehin öffentlich sind, aus den Abbildungen entfernt. Wer eine Abbildung hier nicht sehen möchte, schreibt mir kurz — dann ist sie weg.
Icons für das Kundendashboard
Einfarbige Bedienicons für die Oberfläche, in der Kunden ihre Aufnahmen ansehen, laden, archivieren und löschen. Als Vektor angelegt, damit sie in jeder Größe scharf bleiben.
Die Regeln sind knapp und gelten für jedes Zeichen: eine einheitliche Strichstärke, keine Flächen, abgeschrägte statt gerundeter Ecken und ein gemeinsames optisches Gewicht. Das letzte ist das Schwierige — ein Mülleimer hat von Natur aus mehr Fläche als ein Pfeil, und ohne Nacharbeit wirkt er in einer Werkzeugleiste zu laut.
Das Kamera-Icon ist der interessanteste Fall. Es besteht aus einem offenen Gehäuse und einem separaten Objektivkeil, der als eigene Linienfolge sitzt — dadurch bleibt das Zeichen auch bei kleiner Darstellung als Kamera lesbar, statt zu einem gefüllten Klotz zu verlaufen. Die Icons auf dieser Seite sind die echten SVG-Dateien, nicht Screenshots davon.
Warum das mehr ist als Kleinarbeit: Diese Zeichen sind der Teil des Unternehmens, den Kunden am häufigsten sehen. Häufiger als jeden Flyer, jeden Beitrag und jedes Factsheet.
Ein Sticker, der einen Anruf verhindert
Ein Bedienhinweis, der direkt auf die Hardware kommt: erst einstecken, dann drehen. Zwei Zeichen, vier Wörter, zwei Sprachen.
Ein Steckverbinder, der erst gesteckt und dann verriegelt werden muss, wird zuverlässig falsch bedient — nicht aus Unachtsamkeit, sondern weil beide Reihenfolgen plausibel sind. Jeder falsche Versuch endet im schlechtesten Fall in einem Anruf beim Support oder einem beschädigten Anschluss.
Die Lösung ist bewusst so simpel wie möglich: zwei dunkle Kreise, darin je ein weißes Piktogramm, darunter je zwei Wörter. Die Hand mit dem Stecker und dem Pfeil nach links, dann der Drehpfeil. Die Reihenfolge steckt in der Leserichtung, nicht in einer Nummerierung — dadurch funktioniert der Hinweis auch für jemanden, der die Wörter nicht liest.
Die englische Fassung ist nicht die Übersetzung des deutschen Satzes, sondern die kürzere englische Formulierung derselben Handlung: „Plug in“ und „and turn“. Auf einem Aufkleber in dieser Größe zählt jede Zeichenbreite.
Fahne: eine Fläche, die sich bewegt
Eine Hochformatfahne für den Auftritt am Gebäude und auf Veranstaltungen — das Format mit den unangenehmsten Bedingungen im ganzen Corporate Design.
Eine Fahne ist schmal, hoch, hängt meist schlaff und wird von unten in starker Verkürzung gesehen. Alles, was fein ist, verschwindet. Deshalb enthält der Entwurf nur drei Elemente: die Wortmarke oben, darunter groß die Bildmarke und im unteren Drittel der Leitsatz „From Trash to Treasure“ in zwei Zeilen.
Die Mitte bleibt bewusst leer. Das ist die Zone, die sich beim Wehen wölbt und in der jedes Zeichen unlesbar würde. Der Leitsatz sitzt tief, weil das untere Drittel am längsten ruhig hängt — und weil er aus der Fußgängerperspektive dort auf Augenhöhe liegt.
Titelclip: „Know your material“
Ein kurzer Clip für den Einstieg von Präsentationen und Bildschirmen: die vier Anwendungssituationen, die das Unternehmen abdeckt, in einer Bewegung nacheinander.
Der Clip macht genau eine Sache: Er zeigt, dass es nicht ein Produkt gibt, sondern vier Orte, an denen dasselbe passiert. LKW, Förderband, Abkippstelle, Schiene. Der Satz „Know your material“ bleibt stehen, während unter ihm die Situation wechselt — die Aussage ist konstant, die Anwendung nicht.
Gezeichnet ist alles in derselben isometrischen Strichsprache wie die Illustrationen der Produktkommunikation. Damit gibt es kein zweites Bilduniversum für Bewegtbild, sondern dieselben Zeichnungen in Bewegung. Keine Tonspur, weil der Clip in Situationen läuft, in denen jemand spricht.
Drei Dinge über kleine Formate
Reichweite hat wenig mit Größe zu tun
Ein Icon in einer Werkzeugleiste wird von einem Kunden hundertmal häufiger gesehen als der schönste Flyer. Diese Rechnung habe ich vorher nie aufgemacht. Sie hat verändert, wie viel Zeit ich Aufgaben zugestehe, die auf dem Papier klein aussehen.
Ein Format lernt man über seine Feinde
Bei der Fahne war der Wind das eigentliche Briefing, beim Sticker die Größe, beim Icon die kleinste Darstellung, beim Clip die Situation ohne Ton. Ich frage inzwischen bei jeder Aufgabe zuerst, unter welchen Bedingungen das Ergebnis am schlechtesten dasteht — und entwerfe für diesen Fall.
Eine Bildsprache ist eine Investition
Weil die isometrischen Zeichnungen schon existierten, war der Clip in kurzer Zeit machbar und die Aprilscherz-Kampagne überhaupt erst möglich. Diesen Zinseffekt einer einmal aufgebauten Bildsprache habe ich hier zum ersten Mal praktisch erlebt — und werde in Zukunft früher auf eine eigene setzen, statt jedes Mal neu zu suchen.
Der Alltag einer Designrolle
Weiter zu den anderen Arbeiten
Dieselbe Bildsprache, größer eingesetzt: die 1.-April-Kampagne und die Produktflyer.