Jllig Automobile
Social Media für ein Autohaus in Münsingen: 1911 gegründet, in vierter Generation familiengeführt, Vertragspartner für Volkswagen, Audi, Seat, Škoda und Cupra. Konzepte von mir, Dreh teils selbst, teils in Assistenz, dazu Vorbereitung und Umsetzung.
Ein Autohaus auf dem Land hat ein Kommunikationsproblem, das nichts mit Autos zu tun hat: Es konkurriert online mit den Hochglanzkanälen der Hersteller, deren Budget in einem einzigen Film höher ist als das Jahresbudget des Händlers. Auf diesem Feld kann man nicht gewinnen. Also muss man das Feld wechseln.
Schrift im Original: Versalien im fetten Schnitt, Winkelform als Zeichen.
Dieses Projekt ist im Rahmen einer Agenturtätigkeit entstanden, die Rechte liegen beim Kunden. Alle Abbildungen sind Bildschirmaufnahmen des öffentlichen Unternehmenskanals — die Beiträge stehen genau so öffentlich im Netz. Zu Konditionen, internen Abläufen und nicht veröffentlichten Inhalten mache ich keine Angaben.
Wer eine Abbildung hier nicht sehen möchte, schreibt mir kurz — dann ist sie weg.
Was ein Händler kann, was ein Hersteller nicht kann
Der Hersteller hat das Auto. Der Händler hat die Werkstatt, die Leute und den Ort. Das ist der eigentliche Unterschied, und er ist zugunsten des Händlers: Ein Herstellerfilm kann kein Gesicht zeigen, das ein Kunde am Samstag wiedersieht.
Also lag die Linie nicht auf Fahrzeugen als Hauptmotiv, sondern auf Werkstatt, Menschen und Ortsbezug. Motorraum, Reifen, Aufbereitung, die Kollegin an der Annahme, der Mechaniker mit dem Bauteil in der Hand. Fahrzeuge kommen vor — aber als das, was hier gemacht wird, nicht als Katalogbild.
Die zweite Erkenntnis war die Frequenz. Ein Kanal, der nur dann etwas veröffentlicht, wenn es einen Anlass gibt, kommt auf wenige Beiträge im Jahr. Was fehlte, war ein Grund, regelmäßig zu senden, der nicht jedes Mal neu erfunden werden muss.
Ein Adventskalender über 24 Tage
Vierundzwanzig Beiträge in vierundzwanzig Tagen, jeder mit einer großen roten Zahl. Die Serie prägt das Profilraster über einen ganzen Monat.
Das Prinzip ist einfach und deshalb belastbar: Jeder Tag bekommt eine Kachel, auf der die Zahl das Hauptmotiv ist — ein roter Kreis, weiße Ziffer, dazu die eckige Winkelform, die auch im Firmenzeichen steckt. Darunter der Inhalt des Tages.
Was die Serie leistet, ist mehr als weihnachtliche Dekoration. Sie löst das Frequenzproblem, weil der Anlass für vierundzwanzig Beiträge einmal beschlossen wird statt vierundzwanzig Mal. Sie erzeugt Wiederkehr, weil eine Zählung von selbst zum nächsten Tag zieht. Und sie macht aus dem Profilraster ein Bild: Wer im Dezember auf das Profil kommt, sieht keine Reihe von Einzelbeiträgen, sondern eine laufende Zählung, an der man den Kalender sofort erkennt.
Die Gestaltung der Kacheln folgt konsequent dem Bestandsauftritt — dunkler Grund, ein kräftiges Rot als einzige Akzentfarbe, die Winkelform als wiederkehrendes Element, Wortmarke oben. Kein eigenes Weihnachtsdesign, kein Zuckerguss. Die Serie sieht aus wie das Autohaus, nur eben gezählt.
Was neben dem Kalender läuft
Handgriffe in Nahaufnahme
Reifen, Motorraum, Aufbereitung, Politur. Die Formate mit der besten Wirkung zeigen eine Hand, ein Werkzeug und ein Bauteil — nah, ohne Musikvideo-Ästhetik. Das ist die Kompetenz, die ein Händler wirklich verkauft.
Team und Auszeichnungen
Die Kolleg:innen im Bild, Gruppenaufnahmen zu Auszeichnungen als Servicepartner, Stellenanzeigen im eigenen Kanal. Für ein Familienunternehmen in vierter Generation ist das kein Beiwerk, sondern das Argument.
Die Alb als Bühne
Winterthemen, Landschaft, regionale Bezüge bis hinein in die Highlight-Sammlungen. Ein Händler, der nur Fahrzeuge zeigt, könnte überall stehen. Einer, der seine Gegend zeigt, ist unverwechselbar.
Drei Dinge über Kanäle mit kleinem Budget
Eine Serie löst mehr Probleme als eine gute Idee
Der Adventskalender ist die Arbeit, auf die ich hier am meisten halte, und er ist gestalterisch die einfachste. Er hat Frequenz, Wiederkehr und Rasterwirkung in einem gelöst. Seitdem frage ich bei jedem Kanal zuerst: Was ist hier die Serie? — nicht: Was ist hier der nächste Beitrag?
Nicht gegen den Hersteller antreten
Mein erster Reflex war, Fahrzeuge möglichst gut aussehen zu lassen. Auf diesem Feld verliert ein Händler immer, weil der Hersteller dieselben Autos mit dem Hundertfachen an Budget zeigt. Die Verlagerung auf Werkstatt, Menschen und Ort war die Entscheidung, die den Kanal überhaupt eigenständig gemacht hat.
Im Bestandsauftritt bleiben, auch wenn es reizt
Für eine Weihnachtsserie liegt eine eigene Optik nahe — Schnee, Gold, warme Farben. Ich habe stattdessen bei dunklem Grund, dem einen Rot und der Winkelform bleiben lassen. Das Ergebnis ist unauffälliger und der Grund, warum die Serie nach dem Autohaus aussieht und nicht nach Dezember.
Kontinuität statt Einzelbeiträge
Weiter zu den anderen Arbeiten
Derselbe Aufgabentyp in einem sehr viel sensibleren Feld — und eine Marke, die bei null angefangen hat.