Optocycle · Unternehmensdokument · DE und EN

From Trash to Treasure

Das Unternehmens-Factsheet von Optocycle: fünf Seiten für Investoren, Presse und Erstgespräche, in deutscher und englischer Fassung. Gestaltung, Satz und Bildwelt von mir.

Ein Factsheet wird nicht gelesen wie ein Prospekt, sondern überflogen wie eine Akte. Die Aufgabe war deshalb nicht, es schön zu machen, sondern die Argumentationskette so zu setzen, dass sie beim Querlesen intakt bleibt.

Unternehmen
Optocycle GmbH, Tübingen
Umfang
5 Seiten, zwei Sprachfassungen
Verwendung
Investoren, Presse, Messen, Erstkontakt
Meine Rolle
Gestaltung, Satz, Bildwelt, Infografiken, Sprachfassungen
Farbe und Schrift des Projekts
Indigo#596DF6Navy#161D4FOrange#FF6D2DWeiß#FFFFFF

Schrift im Original: Space Grotesk, Ziffern tabellarisch.

Hinweis zur Vertraulichkeit

Diese Arbeiten sind im Rahmen meiner Anstellung bei der Optocycle GmbH entstanden; die Rechte liegen beim Unternehmen. Gezeigt wird ausschließlich Material, das bereits veröffentlicht wurde oder für die Veröffentlichung bestimmt war. Zu internen Zahlen, Abläufen, Verträgen und nicht veröffentlichten Entwürfen mache ich keine Angaben.

Personenbezogene Daten Dritter habe ich, wo sie nicht ohnehin öffentlich sind, aus den Abbildungen entfernt. Wer eine Abbildung hier nicht sehen möchte, schreibt mir kurz — dann ist sie weg.

Ausgangslage

Ein Dokument, drei sehr verschiedene Leser

Dasselbe Blatt landet bei einem Investor, bei einer Fachredaktion und bei einem Betriebsleiter auf der Messe. Der erste will Marktlogik, der zweite Belege, der dritte den praktischen Nutzen. Ein Text, der alle drei gleichzeitig zufriedenstellt, existiert nicht.

Die Lösung liegt in der Reihenfolge. Das Dokument ist als Argumentationskette gebaut, bei der jede Seite eine Frage beantwortet und die nächste stellt: Wer sind wir — was ist das Problem — was ist unsere Lösung — warum wir und nicht andere — wer steht dahinter. Wer nur die erste Hälfte liest, hat trotzdem eine vollständige, kürzere Version bekommen.

Die Gestaltung

Dunkel, mit einem einzigen Motiv

Drei Entscheidungen tragen das Dokument.

Bildwelt

Der Bruchstein als Held

Statt Anlagenfotos oder Diagrammen läuft ein einziges Motiv durch alle Seiten: freigestellte Gesteinsbrocken, kühl beleuchtet, auf dunklem Grund. Sie stehen für das Material, um das es geht, und funktionieren wie Skulpturen — sie datieren nicht, veralten nicht und lassen sich beliebig umkomponieren.

Farbe

Dunkelblau als Grundton

Das Dokument ist nicht weiß, sondern nachtblau. Das gibt den hellen Gesteinsbrocken Kontrast, hebt die weiße Schrift und unterscheidet das Blatt sofort von den üblichen weißen Datenblättern in derselben Mappe. Das Unternehmens-Indigo tritt nur in einem einzigen Streifen auf — genau dort, wo die vier Nutzenversprechen stehen.

Struktur

Ein Titel pro Fläche

Jede Seite hat genau eine Überschrift, jede Aussage einen fett gesetzten Anlauf am Absatzbeginn. Wer nur die fetten Wörter liest — Intransparenz, Ressourcenverschwendung, wirtschaftliche Ineffizienz, Umweltbelastung — hat den Kern des Kapitels. Genau so wird ein Factsheet tatsächlich gelesen.

Die Seiten

Vier von fünf Seiten

Die fünfte Seite zeigt Auszeichnungen, ein Teamfoto und Kontaktdaten. Sie ist hier nicht abgebildet, weil darauf identifizierbare Kolleg:innen und die Durchwahl einer Kollegin stehen — das gehört nicht in ein persönliches Portfolio.

Seite 1 des Factsheets: Titel „From Trash to Treasure“ über einem freigestellten Gesteinsbrocken auf dunkelblauem Grund, unten die Stammdaten des Unternehmens
Seite 1: Titel und Stammdaten. Gründungsjahr, Standort, Technologie, Geschäftsmodell — die Fragen, die als Erstes gestellt werden.
Seite 2 des Factsheets: Abschnitte „Über Optocycle“ und „Das Problem“ mit vier fett angelaufenen Absätzen
Seite 2: Unternehmen und Problem. Vier Absätze, vier fette Anläufe — lesbar in zwanzig Sekunden.
Seite 3 des Factsheets: Abschnitt „Unsere Lösung“ mit drei Piktogrammen für Erfassen, Analysieren und Bereitstellen und einem indigofarbenen Streifen mit vier Nutzenversprechen
Seite 3: die Lösung in drei Schritten, darunter der einzige farbige Streifen im ganzen Dokument.
Seite 4 des Factsheets: Abschnitte „Wettbewerbsvorteil“ und „Die Gründer“ mit Porträts der beiden Gründer
Seite 4: Wettbewerbsvorteil und Gründer. Die beiden Porträts stehen bewusst ganz am Ende der Kette.
Zweite Sprachfassung

Englische Fassung im selben Satz

Titelseite der englischen Fassung des Factsheets mit identischem Aufbau
Englische Titelseite. Der Titel war ohnehin englisch — das war kein Zufall, sondern der Grund, ihn so zu wählen.
Lösungsseite der englischen Fassung des Factsheets mit den drei Piktogrammen und dem farbigen Nutzenstreifen
Die Lösungsseite auf Englisch. Kürzere Sätze, gleiche Satzspiegel.
Was ich daraus mitgenommen habe

Drei Dinge über Dokumente, die überflogen werden

Reihenfolge ist Gestaltung

Der größte Teil meiner Arbeit an diesem Dokument war nicht Satz, sondern Sortieren. Die Frage, welche Seite welche Frage beantwortet und welche sie damit aufwirft, hat mehr Wirkung als jede typografische Entscheidung. Ich beginne solche Aufgaben deshalb inzwischen mit einer Gliederung auf Papier, bevor ich ein Programm öffne.

Fette Anläufe sind eine zweite Fassung des Texts

Wer die fetten Wörter nacheinander liest, muss eine kurze, in sich stimmige Version des Kapitels bekommen. Das habe ich hier zum ersten Mal bewusst als eigene Textebene behandelt und geprüft — nur die fetten Wörter untereinander gelesen, ohne den Rest.

Ein Motiv ist stärker als eine Bildersammlung

Es wäre einfacher gewesen, jede Seite mit einem passenden Anlagenfoto zu bestücken. Sich auf ein einziges, wiederkehrendes Motiv zu beschränken, macht das Dokument angreifbarer — wenn das Motiv nicht trägt, trägt nichts — und im Ergebnis geschlossener. Ein Prinzip, das ich in die Zahlenserie mitgenommen habe, wo nur ein Bauteil erlaubt ist.

Was dieses Projekt zeigt

Argumentation gestalten

Editorial Design Informationsarchitektur Typografie im Mengensatz Bildwelt & Freistellung Piktogramme Mehrsprachiger Satz Druckvorstufe Kommunikation für Investoren und Presse

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Aus derselben Rolle: die Newsletter und Systemmails, die Zahlenserie und die Corporate-Arbeiten.