From Trash to Treasure
Das Unternehmens-Factsheet von Optocycle: fünf Seiten für Investoren, Presse und Erstgespräche, in deutscher und englischer Fassung. Gestaltung, Satz und Bildwelt von mir.
Ein Factsheet wird nicht gelesen wie ein Prospekt, sondern überflogen wie eine Akte. Die Aufgabe war deshalb nicht, es schön zu machen, sondern die Argumentationskette so zu setzen, dass sie beim Querlesen intakt bleibt.
Schrift im Original: Space Grotesk, Ziffern tabellarisch.
Diese Arbeiten sind im Rahmen meiner Anstellung bei der Optocycle GmbH entstanden; die Rechte liegen beim Unternehmen. Gezeigt wird ausschließlich Material, das bereits veröffentlicht wurde oder für die Veröffentlichung bestimmt war. Zu internen Zahlen, Abläufen, Verträgen und nicht veröffentlichten Entwürfen mache ich keine Angaben.
Personenbezogene Daten Dritter habe ich, wo sie nicht ohnehin öffentlich sind, aus den Abbildungen entfernt. Wer eine Abbildung hier nicht sehen möchte, schreibt mir kurz — dann ist sie weg.
Ein Dokument, drei sehr verschiedene Leser
Dasselbe Blatt landet bei einem Investor, bei einer Fachredaktion und bei einem Betriebsleiter auf der Messe. Der erste will Marktlogik, der zweite Belege, der dritte den praktischen Nutzen. Ein Text, der alle drei gleichzeitig zufriedenstellt, existiert nicht.
Die Lösung liegt in der Reihenfolge. Das Dokument ist als Argumentationskette gebaut, bei der jede Seite eine Frage beantwortet und die nächste stellt: Wer sind wir — was ist das Problem — was ist unsere Lösung — warum wir und nicht andere — wer steht dahinter. Wer nur die erste Hälfte liest, hat trotzdem eine vollständige, kürzere Version bekommen.
Dunkel, mit einem einzigen Motiv
Drei Entscheidungen tragen das Dokument.
Der Bruchstein als Held
Statt Anlagenfotos oder Diagrammen läuft ein einziges Motiv durch alle Seiten: freigestellte Gesteinsbrocken, kühl beleuchtet, auf dunklem Grund. Sie stehen für das Material, um das es geht, und funktionieren wie Skulpturen — sie datieren nicht, veralten nicht und lassen sich beliebig umkomponieren.
Dunkelblau als Grundton
Das Dokument ist nicht weiß, sondern nachtblau. Das gibt den hellen Gesteinsbrocken Kontrast, hebt die weiße Schrift und unterscheidet das Blatt sofort von den üblichen weißen Datenblättern in derselben Mappe. Das Unternehmens-Indigo tritt nur in einem einzigen Streifen auf — genau dort, wo die vier Nutzenversprechen stehen.
Ein Titel pro Fläche
Jede Seite hat genau eine Überschrift, jede Aussage einen fett gesetzten Anlauf am Absatzbeginn. Wer nur die fetten Wörter liest — Intransparenz, Ressourcenverschwendung, wirtschaftliche Ineffizienz, Umweltbelastung — hat den Kern des Kapitels. Genau so wird ein Factsheet tatsächlich gelesen.
Vier von fünf Seiten
Die fünfte Seite zeigt Auszeichnungen, ein Teamfoto und Kontaktdaten. Sie ist hier nicht abgebildet, weil darauf identifizierbare Kolleg:innen und die Durchwahl einer Kollegin stehen — das gehört nicht in ein persönliches Portfolio.
Englische Fassung im selben Satz
Drei Dinge über Dokumente, die überflogen werden
Reihenfolge ist Gestaltung
Der größte Teil meiner Arbeit an diesem Dokument war nicht Satz, sondern Sortieren. Die Frage, welche Seite welche Frage beantwortet und welche sie damit aufwirft, hat mehr Wirkung als jede typografische Entscheidung. Ich beginne solche Aufgaben deshalb inzwischen mit einer Gliederung auf Papier, bevor ich ein Programm öffne.
Fette Anläufe sind eine zweite Fassung des Texts
Wer die fetten Wörter nacheinander liest, muss eine kurze, in sich stimmige Version des Kapitels bekommen. Das habe ich hier zum ersten Mal bewusst als eigene Textebene behandelt und geprüft — nur die fetten Wörter untereinander gelesen, ohne den Rest.
Ein Motiv ist stärker als eine Bildersammlung
Es wäre einfacher gewesen, jede Seite mit einem passenden Anlagenfoto zu bestücken. Sich auf ein einziges, wiederkehrendes Motiv zu beschränken, macht das Dokument angreifbarer — wenn das Motiv nicht trägt, trägt nichts — und im Ergebnis geschlossener. Ein Prinzip, das ich in die Zahlenserie mitgenommen habe, wo nur ein Bauteil erlaubt ist.
Argumentation gestalten
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Aus derselben Rolle: die Newsletter und Systemmails, die Zahlenserie und die Corporate-Arbeiten.