Zahl des Monats
Eine Serie, die zwölf Monate durchhält: 36 Karten in drei Rollen, gebaut aus einem einzigen Bauteil, das direkt aus der Bildmarke des Unternehmens abgeleitet ist. Konzept, Text, Layout-Spezifikation und Produktion von mir.
Das eigentliche Ergebnis dieses Projekts ist nicht eine Karte, sondern ein Regelwerk plus Skript: Wer eine Ausgabe veröffentlichen will, trägt einen Wert ein und lässt rendern. Alle 36 Karten sind vorab auf Textüberlauf geprüft.
Schrift im Original: Space Grotesk, Ziffern tabellarisch.
Diese Arbeiten sind im Rahmen meiner Anstellung bei der Optocycle GmbH entstanden; die Rechte liegen beim Unternehmen. Gezeigt wird ausschließlich Material, das bereits veröffentlicht wurde oder für die Veröffentlichung bestimmt war. Zu internen Zahlen, Abläufen, Verträgen und nicht veröffentlichten Entwürfen mache ich keine Angaben.
Personenbezogene Daten Dritter habe ich, wo sie nicht ohnehin öffentlich sind, aus den Abbildungen entfernt. Wer eine Abbildung hier nicht sehen möchte, schreibt mir kurz — dann ist sie weg.
Wiedererkennbar sein, ohne langweilig zu werden
Eine Serie hat einen Vorteil und ein Risiko. Der Vorteil: Ab der dritten Ausgabe wird sie erkannt, bevor sie gelesen wird. Das Risiko: Ab der dritten Ausgabe wird sie erkannt und übersprungen. Zwölf Monate sind lang, und in dieser Zeit muss die Serie gleich aussehen und jedes Mal etwas anderes zeigen.
Die zweite Bedingung war praktisch. Eine Serie, die nur läuft, solange ich sie selbst baue, ist keine Serie, sondern eine Kette von Einzelarbeiten. Sie musste also so angelegt sein, dass eine Ausgabe ohne Gestaltungsentscheidung produziert werden kann.
Und die dritte Bedingung war inhaltlich: Eine Zahlenserie eines Unternehmens, das Messtechnik verkauft, darf keine geschätzten Zahlen zeigen. Sonst widerlegt der Absender sein eigenes Versprechen.
Drei Karten, drei Aufgaben
Jede Ausgabe besteht aus drei Karten mit klar getrennten Rollen. Wer nur die erste sieht, hat trotzdem etwas mitgenommen.
Der Wert allein
Die Zahl steht groß, in tabellarischen Ziffern, damit „3,4“ und „128“ an derselben Stelle sitzen. Darunter nur die Einheit und eine Zeile zur Herkunft. Kein Kontext, keine Erklärung — das ist der Halt im Scrollen.
Warum das etwas heißt
Ein Kernsatz, gesetzt wie ein Zitat, und darunter drei bis vier Zeilen Erläuterung. Diese Karte macht aus der Zahl eine Aussage, ohne belehrend zu werden.
Übergabe an die Leserschaft
Eine Frage, die man in einem Kommentar beantworten kann. Bei Ausgaben, die inhaltlich in einer Feststellung enden, steht hier stattdessen der Schlusssatz — die Serie zwingt sich keine Frage ab, wo keine hingehört.
Ein Bauteil, drei Zustände
Das wiederkehrende Element der Serie ist keine erfundene Form, sondern die Bildmarke des Unternehmens, reduziert auf ihre beiden Aperturen. Ich nenne es die Blende.
Die Geometrie ist unverändert aus der Original-Logodatei übernommen: das Verhältnis von Ringradius zu Punktradius und der Mittenabstand bleiben exakt so, wie sie im Zeichen sind. Damit ist die Serie nicht an die Marke angelehnt, sondern aus ihr gebaut — ein Unterschied, der auffällt, wenn Karten neben anderen Unternehmensbildern stehen.
Im Logo ist der rechte Punkt eine halbe Scheibe. Genau diese Hälfte wird in der Serie zum Datenträger und bekommt drei Zustände: die Standard-Halbscheibe bei absoluten Werten, eine echte Füllhöhe bei Prozentwerten und ein leerer Ring auf der Fragekarte, weil die Antwort dort noch fehlt.
Ein Füllstand ohne echten Bezugswert ist eine erfundene Zahl in Bildform. Deshalb darf die Füllhöhe nur bei Werten gesetzt werden, die wirklich ein Anteil sind — bei absoluten Werten bleibt es bei der Halbscheibe.
Das ist die Regel, auf die ich in diesem Projekt am meisten Wert legen würde. Sie kostet grafische Möglichkeiten und schützt die Glaubwürdigkeit eines Absenders, der Messgenauigkeit verkauft.
Entscheidungen, die einmal getroffen werden
Statt Gestaltungsvorschlägen habe ich eine Spezifikation geschrieben. Darin steht nicht, wie es aussehen soll, sondern was gilt.
- Ein Raster für alles. Grundeinheit 45 px, Rand 90 px auf allen Seiten. Vorher lagen in den Bestandsformaten zwei verschiedene Randmaße vor, je nachdem ob eine Datei aus InDesign kam oder generiert war.
- Feste vertikale Marken. Wortmarke, Serienlabel, Blendenachse, Textbeginn und Monatszähler sitzen auf allen drei Karten auf derselben Höhe. Beim Durchwischen bewegt sich nur der Inhalt.
- Schrift, die sich selbst anpasst. Zahl, Kernsatz und Frage skalieren nach Zeichenzahl innerhalb definierter Grenzen. Alle 36 Karten sind darauf geprüft, dass kein Textblock in den Fußbereich läuft.
- Eine harte Farbregel. Das Serien-Orange auf dem Indigo erreicht nur etwa 1,5 : 1 Kontrast. Es darf deshalb ausschließlich als Fläche auftreten — Datenträger, Marker, Linie — und nie als Schrift. Die Zahl bleibt weiß.
- Ein Zähler, der die Serie ankündigt. Zwölf Striche unten links: vergangene Ausgaben weiß, die laufende orange und höher, kommende zurückgenommen. Ab Ausgabe eins ist sichtbar, dass zwölf geplant sind.
- Kein Fußbalken. Die Karte ist vollflächig. Das kostet den Platz für die Quellenangabe im Bild — deshalb steht in der Spezifikation ausdrücklich, bei welchen Ausgaben die Quelle in die Caption oder den ersten Kommentar muss.
Produziert wird über eine HTML-Vorlage und ein Renderskript: Wert eintragen, Skript starten, alle 36 Karten fallen in beiden Auflösungen heraus. Ein zweites kleines Skript prüft jede Karte auf Textüberlauf. Die Schriftschnitte liegen dem Paket bei, damit auf einem anderen Rechner nichts anders aussieht.
36 Karten auf einen Blick
Zwölf Ausgaben, jeweils Zahl, Einordnung und Frage. Alle Werte sind bewusst als Platzhalter gesetzt: Die echten Zahlen werden vor dem jeweiligen Versand eingetragen und sind nicht Teil dieser Arbeitsprobe.
Was in dieser Arbeit offen geblieben ist
Ein verbindliches Markenhandbuch lag mir nicht vor. Farbwerte und Schriftschnitte sind aus den vorhandenen Dateien abgeleitet, nicht gegen eine Richtlinie geprüft. Das Serien-Orange ist neu und kommt in keinem älteren Beitrag vor — eine Entscheidung, die ich begründen, aber nicht auf ein Dokument stützen kann.
Im Bestand war außerdem ein dunkles Blau dreifach in leicht verschiedenen Werten vergeben. In dieser Serie kommt es nicht mehr vor, für die anderen Formate ist die Frage damit nicht gelöst, sondern nur vertagt. Beides steht so auch in der Spezifikation, die ich übergeben habe. Ich halte es für einen Fehler, solche Lücken in einer Übergabe zu verschweigen — der Nächste findet sie ohnehin, dann aber ohne Erklärung.
Vom Entwurf zum System
Ein Regelwerk ist die eigentliche Gestaltungsleistung
Ich hätte zwölf Ausgaben einzeln entwerfen können und wäre schneller fertig gewesen. Die Serie hätte dann aufgehört, sobald ich nicht mehr da bin. Die Arbeit in die Spezifikation und das Renderskript zu stecken, war die unbequemere und deutlich haltbarere Entscheidung.
Aus der Marke bauen statt neben ihr
Vorher hätte ich für so eine Serie eine eigene Formsprache erfunden. Die Geometrie der Bildmarke zu übernehmen, war anfangs eine Einschränkung und am Ende der Grund, warum die Karten nach diesem Unternehmen aussehen und nicht nach mir.
Kontrast ist keine Geschmacksfrage
Das Orange auf dem Indigo sah in einem ersten Entwurf als Schrift gut aus. Nachgerechnet war es unlesbar. Seitdem prüfe ich Farbpaare, bevor ich mich in sie verliebe — und schreibe das Ergebnis als Regel auf, damit die Diskussion nicht beim nächsten Entwurf wieder anfängt.
Grenzen des Machbaren sind Teil der Abgabe
Dass ohne Fußbalken die Quellenangabe aus dem Bild fällt, ist eine Folge meiner eigenen Entscheidung. Sie zu benennen und einen Ersatzweg festzulegen, statt sie zu übersehen, war für mich der Punkt, an dem sich Gestaltung von Dekoration unterscheidet.
Serien denken, nicht Einzelbilder
Weiter zu den anderen Arbeiten
Aus derselben Rolle: die einzelnen LinkedIn-Beiträge, die 1.-April-Kampagne und die Print-Kommunikation.